Deutsche Spiesser brauchen etwas zu trinken, wenn sie sich in den Straßencafés ihrer national befreiten Zonen (Maxim Biller) die Frühlingssonne auf den Pelz scheinen lassen. Und es kann ja nicht immer Milchkaffee sein, das wäre ja irgendwie unvielfältig. Zum Glück gibt es Bionade.
Bionade kommt aus Ostheim in der Rhön, also aus dem osthessischen Zonenrandgebiet. Einst war diese Gegend potentielles Schlachtfeld für taktische Atomwaffen der Amerikaner und Sowjets. Daraus erwächst natürlich die besondere Verantwortung der Rhön für eine bessere Welt und seit einigen Jahren braut man in Ostheim das einzigartige alkoholfreie Erfrischungsgetränk. Deutsche Spiesser lieben das, denn sie sind immer darauf bedacht, mit ihren Konsumentscheidungen die Welt zu verbessern.
Der Deckel ploppt und man kann regelrecht hören wie die Welt wieder einen Schritt vom Abgrund zurückweicht. Bionade ist verflüssigter Frieden mit Harmoniearoma, ganz zu schweigen davon, dass die Kräuterbrause das offizielle Getränk einer besseren Welt ist. Unter deutschen Spiessern weiss man, dass es kein Leid auf der Welt gäbe, wenn alle so wie sie Fahrrad fahren, Müll trennen, taz lesen, grün wählen, alles ausdiskutieren und eben Bionade trinken würden. So trinken sie weiter für eine bessere und vor allem gerechtere Welt und erinnern Coca-Cola Trinker daran, dass ihr Zuckerwasser das bessere ist. Natürlich sagen sie das nicht direkt (Deutsche Spiesser sind nicht auf unnötige Konfrontationen aus), sondern weisen darauf hin, dass die Coca-Cola Company so wie alle großen amerikanischen Konzerne die Märkte in Drittweltländern mit ihren Produkten überschwemmt. Man sollte das nicht in Zweifel ziehen oder gar darauf hinweisen, dass Coca-Cola dort auch Arbeitsplätze schafft. Diese Menschen brauchen keine Arbeitsplätze bei internationalen Firmen, sondern Entwicklungshilfe und kostenlose Versorgung durch Hilfsorganisationen. Man beweist nur wie schlecht informiert man ist. Und es ist deutschen Spiessern ein wenig unangenehm, solche Uninformiertheit mit der angebrachten Schärfe maßregeln zu müssen. So hat man es sich ganz alleine selbst zuzuschreiben, wenn wegen der Coke die Stimmung vergiftet ist.
Wenn man hingegen auf einer deutschen Spiesser-Party – vorzugsweise einer 80er-Jahre-Bad-Taste-Mottoparty – den Gastgeber für die ethisch korrekte Wahl des Getränks lobt, hat man schon einen Stein im Brett. Deutsche Spiesser hören es gerne, wenn man bestätigt, dass sie einen positiven Einfluss auf’s Weltkarma haben.
Prost!
Bildquelle: Bionade von Der Hannes unter CC-BY-Lizenz
Kolophon: Ja, die Idee ist von Stuff White People Like geklaut inspiriert. Gibt es Vorschläge für das nächste Mal?
Update: Das Kaff liegt gar nicht in Hessen, Danke Rayson.
März 31, 2009 at 10:32
Selbstverständlich schafft Coca-Cola (auch Besatzerbrause genannt) Arbeitplätze, hauptsächlich besetzt von 6-14jährigen.
Und richtig schlecht schmeckt es auch noch.
Dann doch lieber Bionade, auch wenn mittlerweile etwas zu viel Werbung dafür gemacht wird.